Anleitungen
Zwei Zutaten, ein Glas, sieben Tage. Die ehrliche Anleitung - inklusive der Tage, an denen scheinbar nichts passiert.

Auf einen Blick
50 g Vollkorn-Mehl + 50 g lauwarmes Wasser in ein sauberes Glas. Umrühren, Deckel locker, auf der Arbeitsfläche stehen lassen. Höhe mit Gummiband markieren.
Großteil entsorgen, ca. 50 g übrig lassen. 50 g Mehl + 50 g Wasser dazu. Umrühren. Neue Höhe markieren.
Gleiche Ratio, alle 12 Stunden. Keine Sorge, wenn Tag 4 tot aussieht - die Population sortiert sich.
Nach einer Fütterung sollte sich der Starter in 6-12 Stunden verdoppeln und angenehm säuerlich riechen. Wenn ja - backen. Wenn nicht, 2-3 Tage zusätzlich; Wärme hilft.
Wenn du nicht oft backst, im Kühlschrank lassen und einmal pro Woche füttern. Vor einem Bake mit 1-3 Fütterungen bei Raumtemperatur im 12-h-Abstand wecken, damit er peakt. Den Ansatz verkleinern (z. B. 20 g Starter + 40 g Mehl + 40 g Wasser), um weniger wegzuwerfen.
Ein sauberes Glas (250-500 ml), Vollkorn-Mehl (Roggen geht am schnellsten, Vollkorn-Weizen klappt auch), gefiltertes oder unbehandeltes Wasser, eine Küchenwaage, ein Gummiband, um die Höhe zu markieren. Lass die Fancy-Crocks für später - die meisten erfahrenen Bäcker:innen nutzen ein Marmeladenglas mit lose aufgelegtem Deckel. Locker, damit CO2 entweicht. Ein Hinweis zum Wasser: Chlor wird Leitungswasser gezielt zugesetzt, um Mikroorganismen abzutöten. Stark gechlortes Leitungswasser hemmt deinen Starter. Benutze stilles Mineralwasser, gefiltertes Wasser oder schütte Leitungswasser in einen offenen Krug und lass es 12-24 h stehen - das Chlor verfliegt von selbst.
Bei jeder Fütterung: das meiste aus dem Glas entsorgen, sodass ca. 50 g übrig bleiben - dann 50 g Mehl + 50 g Wasser dazu. Gut umrühren. Das ist 1:1:1 (Starter : Mehl : Wasser nach Gewicht). Tag 1-3 einmal täglich, ab Tag 4 zweimal täglich. Den Anschnitt der ersten drei Tage wirfst du wirklich weg; sobald der Starter lebt, kannst du den Anschnitt für Pancakes oder Cracker verwenden.
Tag 1: nichts sichtbar, milder Mehlgeruch. Tag 2: ein paar kleine Blasen, leicht säuerlicher oder essig-artiger Geruch. Tag 3-4: hier panikt die Mehrheit der Anfänger:innen. Die Blasen werden weniger oder verschwinden; der Geruch wird kurzzeitig unangenehm. Normal - wenn Mehl auf Wasser trifft, werden über 150 verschiedene Hefe- und Bakterienarten gleichzeitig aktiviert. Der erste große Anstieg an Tag 3-4 kommt oft von Bakterien, die letztlich nicht die sind, die du willst. Mit jeder Fütterung und steigender Säure gewinnen die säuretolerante Wildhefe und Milchsäurebakterien den Wettbewerb. Tag 5-6: echte Aktivität kehrt zurück; der Starter verdoppelt sich 6-12 Stunden nach Fütterung. Tag 7: er verdoppelt zuverlässig. Fertig.
Der berühmte Schwimm-Test (Teelöffel Starter in Wasser; wenn er schwimmt, ist er fertig) liefert oft genug falsche Negative, dass ich ihn nicht mehr nutze. Ein Starter, der zuverlässig verdoppelt, aber nicht schwimmt, bäckt trotzdem tolles Brot. Besseres Signal: Foto vom Glas bei Fütterung, Foto 8 Stunden später. Wenn das zweite doppelt so hoch ist, bist du dabei.
Zuverlässiges Verdoppeln an Tag 7 heißt, der Starter ist aktiv - aber ein ganzes Brot zu treiben braucht mehr Kraft als einen Fütter-Test zu bestehen. Bei den meisten kommt das erste richtig gute Brot nach 10-14 Tagen, und der Starter gewinnt 3-4 Wochen lang weiter an Kraft. Also früh backen, erwarte, dass die ersten ein, zwei Brote etwas flach sind, und mach weiter. Die Bereitschaft fürs erste Brot: er verdoppelt in 4-8 Stunden, riecht angenehm säuerlich und tut es bei drei Fütterungen hintereinander.
Wenn du nicht mehrmals pro Woche backst, fütterst du nicht ewig zweimal täglich - das sagt Anfänger:innen niemand. Sobald der Starter etabliert ist, ab in den Kühlschrank und einmal pro Woche füttern. Die Kälte verlangsamt die Kolonie auf ein Minimum. Der Wochenrhythmus: rausnehmen, füttern, ein paar Stunden auf der Arbeitsfläche stehen lassen, zurückstellen. Vor einem Bake mit 1-3 Fütterungen bei Raumtemperatur im 12-Stunden-Abstand wecken, damit er beim Mischen am Höhepunkt ist - ein Starter direkt aus der Kälte treibt kein Brot allein.
Gib ihm ruhig einen Namen
Bäcker:innen benennen ihre Starter (Brad Brot, Klaus Teigberg) aus gutem Grund: einen benannten, ins Journal eingetragenen Starter hält man am Leben. Manche werden seit Jahrzehnten weitergegeben. Deiner startet diese Woche - gib ihm Namen und Journal, und er kann das Glas überleben.
Der häufigste Fehlalarm: 'er geht nicht auf.' Meist ist er aufgegangen und wieder gefallen, während du nicht hingeschaut hast - bei warmen 26 °C kann ein junger Starter bei Stunde 4-6 peaken und bis Stunde 8 zusammenfallen, sodass er bei der Kontrolle nach 12 oder 24 Stunden tot aussieht. Markiere das Glas bei der Fütterung und achte auf den Höchststand; genau dafür ist die Foto-Gewohnheit da. Ist er wirklich träge, wecken ihn drei Dinge: Wärme (Ofen mit Licht, ~25-27 °C), Fütterung mit dem gleichen Mehl, mit dem er geboren wurde (Markenwechsel setzt seine Anpassung zurück), und ein Löffel Vollkorn-Roggen in der nächsten Fütterung. Ausführliche Rettungsschritte stehen im Leitfaden zum toten Starter.
Wenn er an Tag 2-3 hochschoss und dann verstummte, hast du ihn nicht getötet - dieser frühe Ausbruch ist meist eine Bakterien-Blüte (oft Leuconostoc), die verdrängt wird, sobald die Säure steigt und die echte Wildhefe und Milchsäurebakterien übernehmen. Die stillen Tage 3-5 sind der Wachwechsel. Weiter nach Plan füttern, und er kommt stärker zurück.
Lerne, das Glas zu lesen. Eine dünne Flüssigkeitsschicht obenauf - klar, grau oder braun - ist Hooch: Alkohol, den die Kolonie bildet, wenn das Futter ausgeht. Das heißt hungrig, nicht tot. Abgießen (weniger sauer) oder einrühren (saurer), dann füttern. Schimmel ist etwas völlig anderes: pelzige erhabene Flecken oder rosa, orange, grüne oder schwarze Schlieren. Schimmel heißt: das ganze Glas wegwerfen und neu anfangen - das kriegst du nicht weggefüttert. Der klare Test: Flüssigkeitsschicht = füttern; pelzige oder farbige Flecken = weg damit. Das Glas weg von der Obstschale und nach Plan füttern verhindert fast jeden Schimmel.
Sauerteig ist genau die Art Projekt, bei dem Tage verschwimmen und Muster ohne Aufzeichnung unsichtbar bleiben. Sourdough Tracker hält jede Fütterung, jeden Anstieg, jede Raumtemperatur, jedes Foto in einer fortlaufenden Zeitlinie pro Starter fest. Nach zwei Wochen wird der Rhythmus deines Starters sichtbar (er unterscheidet sich von jedem anderen) - dann landen deine Bakes.
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